Bei komplexen CMD-Beschwerden reicht es oft nicht aus, nur auf das Kiefergelenk zu schauen.
Viele Patienten kommen zu uns, nachdem bereits Schienen, Physiotherapie, Osteopathie oder andere Behandlungen durchgeführt wurden. Trotzdem bleiben Beschwerden wie Kiefer-, Kopf-, Nacken- oder Gesichtsschmerzen bestehen.
Deshalb beginnt unsere Diagnostik häufig an einer Stelle, die überraschend klingt: bei den Zähnen und dem Kieferknochen.
Gibt es stille Entzündungen, die den Körper belasten?
Nicht jede Entzündung verursacht Schmerzen. Häufig finden sich sogenannte stille Belastungen im Zahn- und Kieferbereich:
- chronische Entzündungen an Zahnwurzeln
- klinisch unauffällige Kieferzysten
- verlagerte Weisheitszähne
- verbliebene Entzündungsherde nach Zahnbehandlungen
- anhaltende Parodontitis
- chronische Reizzustände im Kieferknochen
Solche Belastungen wirken oft wie ein unterschwelliges Hintergrundrauschen auf das vegetative Nervensystem. Der Körper bleibt in Alarmbereitschaft und kann seine Selbstheilungskräfte nur eingeschränkt aktivieren.
Mit Hilfe der Neuraltherapie lässt sich häufig überprüfen, ob solche Bereiche einen Einfluss auf das Beschwerdebild haben. Sie dient dabei nicht nur als Therapie, sondern oft auch als diagnostisches Werkzeug.
Wie arbeiten Zähne, Muskeln und Nervensystem zusammen?
Im nächsten Schritt betrachten wir das Zusammenspiel der Halte- und Bewegungsmuskulatur im Mund.
Kauen, Schlucken, Atmen und Sprechen sind hochkomplexe Bewegungsabläufe. Bereits kleine Störungen können zu dauerhaften Spannungen im gesamten Muskel- und Fasziensystem führen.
Besonders wichtig sind dabei:
- die Zunge als Kieferhaltemuskel und Kiefergelenk-Stabilisator
- Atmung, Schlucken und Kauen mit aufgerichteter Zunge
- die Lippen- und Wangenmuskulatur und die Nasenatmung
- die richtige Anspannung: die Kaumuskulatur bewegt, die Zunge hält
- die Stellung des Unterkiefers im Mundraum und ihr Einfluss auf die Kopfhaltung
- Mundraumfunktionen und Aufrichtung der Hals-, Nacken- und Schultermuskulatur
Der Mund ist kein isoliertes System. Er ist Teil eines fein abgestimmten Netzwerks, das den gesamten Körper beeinflusst.
CMD verstehen bedeutet, Zusammenhänge erkennen
Bei komplexen Beschwerden suchen wir deshalb nicht nur nach dem Ort des Schmerzes, sondern nach den Faktoren, die den Körper daran hindern, wieder in sein Gleichgewicht zu finden.
Erst wenn stille Belastungen erkannt und die Funktion des gesamten Systems verstanden werden, entsteht oft die Grundlage für nachhaltige Veränderungen.
Unser Ziel ist nicht allein die Behandlung einzelner Symptome, sondern die Wiederherstellung der Regulationsfähigkeit des Körpers.
